Montag, 5. November 2012

Amanda Todd und das Thema Mobbing

Hallo liebe Blog-Leser,

nachdem nun wieder über eine Woche nichts von mir zu hören war, melde ich mich mal wieder mit einem sehr vakanten Thema. Ich werde heute über Mobbing und im Speziellen Cybermobbing schreiben und auch Bezug auf die zurzeit allbekannte Thematik zu Amanda Todd nehmen.

Eine Art von Disclaimer

Zuallererst möchte ich einige Dinge klarstellen, bevor ich mit Hass und Unverständnis versehen werde. 
Ich mache mich nicht über das lustig, was mit Mobbingopfern passiert. Ich verherrliche nicht den Tod von Amanda Todd. Ich möchte niemanden persönlich angreifen oder in seiner menschlichen Würde verletzen. Der folgende Text enthält lediglich meine eigene, unabhängige Meinung, frei von normgerechter Moral oder gesellschaftlichen Statuten. Ich bitte jeden Leser darum, sie zur Kenntnis zu nehmen und zu akzeptieren, Kommentare und Kritik sind wie immer erwünscht, jedoch bitte konstruktiv und sachlich.

Mobbing - Kulturerbe unserer Jugend

Mobbing ist in der heutigen Zeit eigentlich täglich Brot. Kein Mensch kann von sich behaupten, noch nie jemanden "gemobbt" zu haben. Niemand. Die meisten Menschen tun es, um ihre eigene Stellung oder ihre Laune zu verbessern, denn wenn man jemand anderem Leid zufügen kann, geht es einem selbst besser.
Ich will das Ganze damit nicht gutheißen, definitiv nicht. Doch ich finde die ganzen Pseudo-Moralapostel so lächerlich, die jetzt, insbesondere nach Bekanntwerden des Freitods von Amanda Todd, sich als die unantastbare Moral und das gute Gewissen schlechthin präsentieren, weil es meistens nur auf eigene Profilierung abzielt.
Wie eingangs bereits erwähnt, niemand kann sich davon freisprechen, selbst schonmal Täter genauso wie Opfer im Mobbing gewesen zu sein. Es ist ein Teufelskreis, denn "Gemobbte" werden zu neuen "Mobbern", um ihre eigene Scham und die Häme zu unterdrücken. Sie merken, wie "cool" und beliebt Leute sind, die sich dazu hocheifern, über anderen Leuten zu stehen und über sie urteilen zu können, daher ratizifieren sie dieses Verhalten nicht nur, sondern spiegeln es auf ihre eigene Verhaltensweise wieder. Bis das nächste Opfer sich dazu entschließt, in den erlauchten Kreis der Mobber zu treten.

Die Kunst des Cybermobbings

Cybermobbing ist die Geplänkelvariante des Mobbings. Durch die sich dort ergiebige Anonymität kann man seine Ziele ohne Weiteres verheeren und geißeln, ohne sich selbst in die Schusslinie des Tätertums zu werfen. Außerdem entsteht durch das Internet ein Schneeballeffekt, sodass sich Leute der Hetzjagd anschließen, die eigentlich nichts mit der Person der dem Sachverhalt zu tun haben, sondern einfach nur Spaß daran haben, Teil einer großen, pöbelenden Menge zu sein, mit dem Strom zu schwimmen, typischer, jugendlicher Gruppenzwang.

Meinungen über Menschen zu haben, vorallem schlechte, ist nichts Verwerfliches. Es beginnt in den ersten Minuten, in denen man eine Person sieht, dass man sie beurteilt und in eine Schublade steckt. Von diesem Schema ist jeder Mensch betroffen, egal ob alt, jung, Geschlechtsangehörigkeit oder Rasse und vorallem egal wie moralisch veranlagt. Auch die Guttäter und Unschuldsengel unserer Erde machen im Kopf den selbigen Prozess mit, es ist natürlich.
Ich respektiere auch jeden Menschen, der eine schlechte Meinung sachlich und nicht polemisch von Angesicht zu Angesicht äußern kann. Das darf man niemanden verbieten, denn die Gedanken sind frei und wir leben in einem Zeitalter der freien Meinungsäußerung. (Zumindest vom Wunschdenken her)
Doch wer von Kritik zu von Beleidigungen triefenden Tyraden übergeht, am Besten im Deckmantel eines Pseudonyms im Internet, der ist nicht nur ehrenlos sondern besitzt auch die emotionale Intelligenz eines Kleinkindes.

Die Tragödie 'Amanda Todd'

Nachdem mein bisheriger Text vielleicht gewisse Ähnlichkeiten mit den geistig minderwertigen Ergüssen der von mir geächteten Pseudo-Moralapostel hat, abgesehen davon, dass ich mich eloquent artikulieren kann und nicht ständig die selben Phrasen wiederhole, möchte ich aber auch mal eine Kehrseite des Mobbings beleuchten.

Wir alle kennen ja den Fall. Das Mädchen Amanda Todd nimmt sich das Leben, nachdem sie in Schule und Internet immer und immer wieder fertiggemacht wurde. Es ist ein Drama und ich spreche mein Beileid für die Angehörigen aus, doch man muss auch mal zwischen den Zeilen lesen und unabhängig der nun allgemein gültigen "Oh ist das schlimm"-Art seine Gedanken dazu ordnen und aussprechen.

Ich für meinen Teil sehe mich mit einigen Kontroversen konfrontiert. Ich weiß, dass das Mädchen damals gerade mal 14 war, aber auch in diesem Alter muss man sich darüber bewusst sein, wie das Internet tickt. Das Netz vergisst nie, es löscht sich nicht, es erinnert sich an alles, was du jemals in ihm getan hast. Und ich muss frei heraus sagen, dass es wirklich absolut bescheuert ist, im Internet einem "Fremden" seine nackten Brüste nicht nur zu zeigen, nein sogar ein Foto davon zu schicken. Meiner Meinung nach kann sich im Nachhinein kein Mensch darüber beschweren, wenn es verbreitet wird. Ich meine klar, nach geltenden Datenschutzgesetzen muss so was unterbunden werden, aber wir wissen alle wie das ist. Sobald es einmal online gestellt wird, wird es auf tausenden Rechnern gespeichert und nach jeder Löschung neu hochgeladen.
Ich frage mich aber auch, wenn ihr Hilferuf per Videobotschaft einen Monat vor ihrem Selbstmord kam, warum hat sich niemand an sie gewandt, der heute doch ach soviel Mitleid um das Mädchen hat? Warum hat ihr niemand geholfen? Weil es einen total egal ist, bis wirklich was passiert und man sich als moralischen Helden darstellen kann, es ist immer das Gleiche.

Andererseits muss ich aber das Selbe sagen wie ich es zum Thema Selbstmord oft sage. Auf der einen Seite ächte ich Selbstverletzung und -mord. Das Leben ist das größte Geschenk, welches wir in unserer ganzen Zeit haben, und aus keinem Grund sollte man dies wegwerfen. Auf der anderen Seite nehmen sich ständig Leute das Leben, meistens, das muss so hart gesagt werden, aus deutlich schlimmeren Gründen als sie bei Amanda vorhanden waren. Doch trauern denen tausende Menschen nach? Nein, die engen Freunde, denen die Person wirklich wichtig war, aber keine Community von Rettern der Gesellschaft.

Wusstet ihr übrigens, dass es auch Gerüchte gibt, dass die Geschichte von ihr ganz anders gelaufen sein soll? Ich halte diesen Kram nicht unbedingt für plausibel, aber wirkliche Beweise, was nun stimmt, gibt es weder für den einen noch den anderen Fall. Ich persönlich mache mir da kein Drama daraus, vorallem kein persönliches Drama, und es sollte auch niemand anderes machen. Ihr habt eure eigenen Probleme, um die ihr euch kümmern könnt, also versucht nicht großartig und toll für ein Mädchen einzustehen, das ihr nichtmal kennt und dessen Beweggründe ihr wahrscheinlich garnicht versteht.

Kommentare:

  1. Selbstmord ist purer Egoismus.

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  2. Du hast deine Gedanken zu diesem Thema sehr toll ausgedrückt und ich teile deine Meinung. Aber zu der Person vor mir, ich verstehe nicht wie du davon reden kannst, dass selbstmord egoistisch sei. Ich schätze du bist so ein ganz 'schlauer' welcher sich noch nie mit dem Thema wirklich beschäftigt hat, sei es durch eigene erfahrungen durch Gedanken oder deines bekannten kreises.
    Es ist ein Armutszeugnis, wie die Menschen heutzutage denken.

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